Motivationsfessel Lebensentwurf

Ich bin heut mit leichtem Kater erwacht. Was jedoch weniger am Rum liegen dürfte, der gestern so gut wie unangetastet blieb, denn am Thema.:
Der Lebensentwurf!

Mitten in der weißen Eishölle des Landwehrplatzes eine leuchtende Fackel des Hoffnungswillens. Erstaunlich viele Unerschrockene, neue Gesichter finden ihren Weg zu einer ernstgemeinten und lustvollen Betrachtung des Eisregens in dem wir uns offensichtlich befinden.
Der gestrige „Mein eigener Film – GROG“ auf dem Schiff der Träume, mit dem Untertitel Lebensentwürfe in der Literatur, wird wohl noch für längeres Rumoren sorgen.

Ursprünglich hab ich mich ja auf ein Paar ermutigende Visionen eingestellt… und wenn vielleicht auch nur im utopischen Gewande subversiver Kinderliteratur, die ein wenig den Zynismus über die Planke springen lässt.
Doch auch wenn ja quasi jede Literatur so etwas wie eine Skizze über das Leben darstellt, scheint sie doch erstaunlich wenig erfreuliches zu diesem Thema beitragen zu wollen was das eigene Denken wirklich überzeugen könnte. Irgendwie landet das alles in den Fängen der Ökonomie. So wie wohl jeder der erfreulicherweise zahlreich bereichernden Anwesenden, in den Fängen der zynischen Ökonomie zu stecken schien.
Es scheint aller Entwurf in die Planbarkeit münden zu wollen und jeder Traum durch seinen Realisierungsdrang sich als unbewusste Motivationsfessel zu offenbaren.
Ist denn vielleicht dieses urdeutsche Wort „Lebensentwurf“ ein Paradoxon, das als Fragestellung dem einzigen Zwecke dient sich denkend auflösen zu wollen — zeichnet sich Leben nicht durch das entziehen jeglicher Planbarkeit aus; ist aber dennoch organisiert — ein Forschungsauftrag, eine Mission aus der nebulösen Vorzeit unserer wortschöpfenden Ahnen?
Was tritt dann aber an die Stelle des Lebensentwurfs, wenn mein nach Freiheit strebendes Denken das bloße Dahinvegetieren, das Sich-Treiben-Lassen — in den Kloaken einer degenerierten Kultur — oder gar von den Versprechen glückseliger Verzückung — vehement abzustreifen sucht? Wie sich stärken und in Ruhe lassen, statt ungewollt hintenrum über den Tisch zu ziehen?
Diese Frage wirklich beantworten…
So weit sind wir gestern nicht gefahren, auf unserer literarisch motivierten Begegnungsmission. Noch kein Land in Sicht, auf der Suche nach der frei gestaltenden Kraft, die lenkend und organisierend dafür sorgt, dass eben nicht nur Ökonomie und Materie ist, sondern auch Leben. Mit der würden wir uns ja mal gern auf einen Grog zusammenhocken in unserer Kajüte, mit dieser Kraft, gern auch bei Eisregen.
Aber bis dahin werden wir wohl noch so einigen Seemeilen, längsseits von Klabautermännern und Luftspiegelungen, so manchem wüsten Sturme zu trotzen haben und etlicher Kurskorrektur bedürfen.

Ich gebe jedoch zu bedenken, dass die Tatsache unserer Zusammenkünfte in der Kajüte der „Joyce – Medea“ und unsere bisher zurückgelegte Reise einem Gottesbeweis in oben beschriebenem Sinne schon verdammt nahe kommt. Es war ein guter Abend im Eis. Zudem erfreut es mich, bekannt geben zu dürfen, dass ich mich mit diesem Artikel in die Reihen der wortschöpfenden Ahnen einzureihen scheine. Eine Motivationsfessel wird von den weltweit vernetzten Suchrobotern NIRGENDS gesichtet, dabei sind wir doch alle davon betroffen.

Der Major

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