Operation 2  SOS – Künstlerdorf

…jan.2014

RAUM GESUCHT, für den Dialog von Genauigkeit und Seele…

Liebe Unterstützenden, willkommene Beobachter/innen, hallo …,

auf dem → „Rundgang“ in der Handwerkergasse wurde viel Seemannsgarn gesponnen und die Aufgaben der nächsten Etappe unseres dramatischen Experiments werden langsam deutlich. Sie haben vornehmlich mit Schiffsbau, Leichtbau, Aufbau und Satzbau zu tun. Das Kultusministerium ist schonmal mit im Boot.

JETZT SUCHEN WIR NACH EINEM RAUM, in dem wir diese verschiedenen Fäden sinnvoll miteinander verweben können. Wer kann uns helfen einen solchen Raum zu finden?

e-Mail: zentrale∂m-i-t-lab.org

Bilder mit freundlicher Genehmigung der HBK-Saar
logoARTZAMMLER Kopie

Nicht nur das Schiff, sondern auch noch einiges Andere ist in Bewegung gekommen. So haben wir die → grenzüberschreitende Kooperation mit dem Künstlerkollektiv → ARTZAMMLER aus Lotringen vertieft und beschäftigen uns in diesem Zusammenhang, unter anderem, mit Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“. Da werden wir dann weiterhin nicht nur die „Joyce-Medea“ als Bühne beleben.
Handwerklich bahnt sich eine Zusammenarbeit mit dem → ZBB-Saar an (herzlichen dank an unsere Oberbürgermeisterin für die Vermittlung). Wir wollen das Schiff zur stationären „Dialogischen Residenz“ ausbauen/renovieren, und mit einer Unterkonstruktion für unsere Jurte (Luxuszelt mit 5,5 qm ∅) werden wir einen mobil einsetzbaren Spielraum schaffen. Weiterhin bemühen wir uns um eine sinnvolle Kooperation der Hochschulen im Rahmen der → „Heterotopischen Universität“. In diesem Zusammenhang fassen wir auch die Möglichkeit eines experimentellen Masterstudienprogramms ins Auge, welches sich im Spannungsfeld zwischen „strukturellem Wandel durch Kultur“ und „Kultur im strukturellen Wandel“ bewegen soll.

Ich bin zur Zeit noch in der Lage, zusätzlich zum Schiff und der ererbten, nagelneuen Jurte, privat einen fünfstelligen Betrag in den Aufbau unserer Basisstruktur zu investieren. Wenn sich weitere Kooperationspartner finden, die mit dafür Sorge tragen, dass dieses Projekt auch dauerhaft Handlungsfähig wird, macht das auch Sinn und dann tue ich das gerne.

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Was all das gesponnene Garn miteinander zu tun hat und was der Raum bieten sollte, den wir als Zentrale zur Weiterentwicklung benötigen, versuche ich im Folgenden zu skizzieren:

Gesucht wird ein Planungsrefugium für die → „Heterotopische Universität“.
Für all die Aktivitäten, von der Büroorganisation, der Einrichtung unserer Bibliothek, über die Lagerung unserer mobilen „Dialogischen Residenzen“ und deren Konstruktion, bis hin zur Probenarbeit und inhaltlichen Vorbereitung (für die „theatralische“ Forschung an Musils „Mann ohne Eigenschaften“ und weiteren Organismen), suche ich eine Basisstation: ca. 100qm, idealerweise: erweiterte Raumhöhe, inspirierend, hell, ruhig, trocken und lärmunempfindlich, Wasseranschluß, mit der Möglichkeit dort rund um die Uhr zu wirken und beizeiten auch zu nächtigen. Ein Platz an dem auch unser wertvolles Equipment sicher aufgehoben ist, wenn wir für längere Zeit außerhalb tätig sind. Mögliche Kompromisse werden im Einzelfall abzuwägen sein.

Eine Dependance auf dem Unicampus ist im Sinne der angestrebten Hochschulübergreifenden Vernetzung von besonderem Interesse – da wären dann schon → HBK und Uni symbolisch verbunden – und als Brückenpfeiler für etwaige Kooperationen mit weiteren Instituten, auch ausserhalb des Saarlandes, sicherlich auch hilfreich. Das Schiff an der → HBK im Völklinger Weltkulturerbe, ein Büro und Arbeitsraum auf dem Campus, eine handwerkliche Kooperation mit dem → ZBB-Saar und eine assoziierte → „Kunst- Kantine“ in Saareguemines, unterstreichen auch den interdisziplinär kommunikativen Grundgedanken einer methodischen Grenzüberschreitung und würden sicherlich ein förderliches Zeichen setzen.

In Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ macht sein Protagonist Ulrich, den äußerst heterotopischen Vorschlag, zwei entscheidende Gegenentwürfe des Wirklichkeitsbegriffs, in der Gründung des „Generalsekretariats der Genauigkeit und Seele“ als Geschwisterpaar zusammenzuführen, um die als notwendig erkannte „Generalinventur“ unserer Kultur überhaupt sinnvoll durchführen zu können.

Zur sorgfältigen und praktischen Untersuchung dieser Idee brauche ich nun ein Laboratorium…

“Schreiben ist eine Verdoppelung der Wirklichkeit. Die Schreibenden haben nicht den Mut sich für utopische Existenzen zu erklären. Sie nehmen ein Land Utopia an, in dem sie auf ihrem Platz wären, sie nennen es Kultur, Nation usw…
Eine Utopie ist aber kein Ziel, sondern eine Richtung.”

ROBERT MUSIL

Hier geht es nichtmehr um Literatur und deren Kritik oder Wissenschaft oder Dramatisierung als Kunst, sondern um einen Ansatz der es wagt über diese Begriffe hinauszureichen, indem er die Möglichkeit dieser Utopie, als Lebenswirklichkeit begreift, wobei es gilt, fachliche Trennungen, im Prozess ihrer notwendigen Auflösung aufmerksam zu begleiten, damit sie nicht verdunkelnd und inzestuös verwischen. Musil betrachtet dies als die Suche nach einer „taghellen Mystik“.

[…] Ulrichs ratioide Utopie des exakten Lebens geht vom Zweifel an der „Heiligkeit des Augenblickszustandes der Welt“ aus und betrachtet die Gegenwart als Hypothese, welche sich nicht als festgeschriebene Momentsituation überschätzt. Der Möglichkeitssinn geht hier im Denkexperiment und im exakten Verfahren, das sich an die Methodik der Naturwissenschaften anlehnt, den utopischen Möglichkeiten nach.
Dem Menschen als Niederschrift – wie es Musil formuliert – als disponierter Charakter, steht der potentielle Mensch gegenüber.
Ein hypothetisches Leben impliziert anthropologisch, dass der Mensch ein unabgeschlossenes, offenes Wesen ist. Normative Setzungen entfallen, die Momentsituation des Menschen wird desavouiert [der Kritik ausgesetzt/ nicht hingenommen].
Die Experimentfunktion dieser Utopie schließt auch die Selbstreflexion ein und berührt die paradoxe Verbindung von Genauigkeit und Unbestimmtheit insbesondere dann, wenn die exakten Verfahrensweisen auch auf die Leidenschaften angewandt werden. Ulrichs Vorschlag für ein „Generalsekretariat der Genauigkeit und Seele“ zielt in diese Richtung.
Ulrich setzt eine wünschenswerte phantastische Genauigkeit, die in der gegenwärtigen Wirklichkeit noch nicht erreicht ist, von einer pedantischen ab. […]

„Die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts“ Hermann Wiegmann

Musils Reflexion einer Gegenwart, die im Falle des Romans, hochaktuell, in den ersten Weltkrieg münden wird, ist noch lange nicht ausgeschöpft.

[…] Da ringt ein Schriftsteller mehr als zwanzig Jahre mit einem Roman von monströsen Dimensionen. Der Autor ist arm, seine Arbeit wird kaum beachtet. Bei schlechter werdender Gesundheit schreibt er an einem Buch, das in aller philosophischen Rigorosität danach fragt, ob das Leben in der nachmetaphysischen Moderne noch glücklich sein kann. Und dann stirbt der Autor, bevor er sein Urteil zu Papier bringen kann. Was der Nachwelt bleibt, ist eine riesige Baustelle.
[…]
Während das „Leben in der Liebe“ der Geschwister ursprünglich […] an seinem radikalen Vollzug, am Inzest scheitern und zerschellen sollte, ist [Walter] Fanta [Mitherausgeber der aktuellsten, der „Klagenfurter Ausgabe“] nicht überzeugt, dass Musil bei dieser negativen Wendung geblieben wäre. „Der Zusammenbruch der Kultur um ihn herum ließ Musil nach einer anderen, hoffnungsvolleren Lösung suchen“[…]

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/der-mann-ohne-eigenschaften-jetzt-winkt-wirklich-eine-art-ende-11051664.html

Ich wünsche uns allen, bestes Gelingen, Boris

→ Spendenkonto

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Geschehen seit Dez. 2013:

…dez.2013

→ OP 1

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